Vielfältiges Judentum kennenlernen

Vielfältiges Judentum kennenlernen - Antisemitismus entgegentreten

„Vielfältiges Judentum kennenlernen – Antisemitismus entgegentreten“ war das Motto unserer Exkursionsreihe im Wintersemester 2025/2026  im Mentorat für Lehramtsstudierende. Hier findet ihr Einblicke in unsere Besuche bei den Synagogen und unsere Workshops. 

Jüdische Strömungen in Israel heute

Wer ist gemeint, wenn in den Nachrichten von Ultraorthodoxen, religiöser Siedlerbewegung oder Nationalreligiösen gesprochen wird? Tamar Avraham aus Jerusalem hat uns am 3. November 2025 Hintergrundwissen zur Vielfalt des Judentums im heutigen Israel vermittelt und uns Einblicke in ihren Alltag gegeben. 

Interpretation der Shoa in Israel

Am zweite Zoom-Abend mit ihr hat uns Tamar Avraham aus Jerusalem in ihrem Vortrag mit auf den Herzl-Berg und in die Gedenkstätte Yad Vashem mitgenommen. Sie gibt uns Einblicke in Gedenkkultur in der Israelischen Gesellschaft heute

Besuch in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Hannover

Wir besuchen die Jüdische Gemeinde Hannover. Wir sind am Tag nach der 80-Jahr-Feier zu Gast. Kantor Andre Sitnov öffnet für uns den Thoraschrein. Er zeigt uns, die neue Thora-Rolle, die die Gemeinde zum 80-jährigen Jubiläum ihrer Wiedereröffnung bekommen hat. Was für eine Ehre! Er führt uns vor, wie er die Texte der Thora im Gottesdienst singt. Dann führt uns Alina Fejgin durch das Gemeindezentrum und gibt uns Einblicke in Themen, die die Menschen in dieser jüdischen Gemeinde bewegt. 
Danke für die Gastfreundschaft! Masl tov für die nächsten Jahre!! 

Besuch im Haus Benjamin

Wir sind zu Gast im Haus Benjamin bei Chabad. Im alten Bahnhofsgebäude am Bismarckbahnhof wird heute gebetet, gefeiert, gebacken und diskutiert. Shterna Wolff berichtet, wie sie mit ihrem Mann nach Hannover kam und diese Gemeinschaft aufgebaut hat. Heute leitet sie als einzige Frau eine Chabad-Gemeinde. Unter dem gefliesten Rundbogen der Bahnhofshalle ist heute der Thoraschrein und es wird hier Gottesdienst gefeiert. Rabbi Levi Gottlieb nimmt sich Zeit für alle Fragen unserer großen Gruppe. Viele Menschen aus der Nachbarschaft sind mitgekommen. Haus Benjamin will ein offenes Haus sein. Das spüren wir. Bildung spielt hier eine große Rolle. 
Vielen Dank für die Begegnungen und die Gastfreundschaft!

Gespräch mit dem Senior Rabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover Dr. Gabor Lengyel

Der Senior Rabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Gábor Lengyel ist Im Januar unser Gast. 
Der 85jährige gibt uns persönliche Einblicke in Stationen seines Lebens. Er war Ingenieur und wurde dann Rabbiner. Er ist in vielen Sprachen und Ländern zu Hause. Als Kinder überlebte er in Ungarn die Shoa, wanderte als Jugendlicher nach Israel ein und kam als Student nach Deutschland. Die Sprache des Gebets hat ihn überall hin begleitet.
Gábor Lengyel lebt vor, wie man sich in die Perspektive eines anderen hineinversetzt. Dafür geht er gemeinsam mit einer Muslima in Schulklassen und sucht das Gespräch mit Jugendlichen. Schaffst du es, dich in deinen Mitmenschen hineinzuversetzen? Seinen Schmerz zu achten, seine Version der Geschichte zu hören? Er bringt uns zum Nachdenken und zeigt uns, wie Erinnerungskultur mit heutigen gesellschaftlichen und politischen Themen verknüpft sein muss. Er wünscht sich, dass Kinder der Opfer und die Kinder der Täter einander zuhören. 
Danke für die Zeit und den Dialog!

Workshop gegen rechte Parolen

„Das wird man doch noch sagen dürfen…“, und plötzlich schwirren Sätze selbstverständlich durch den Raum, und du bist fassungslos und entsetzt, weil da Menschenwürde und erwiesene Fakten von rechten Parolen und handfestem Faschismus verdrängt werden und mal ebenso zur freien Meinungsäußerung erhoben werden. Was antworten? Wie anfangen? Wie reden? Darum ging es in dem Workshoo im März 2026 mit Sarah Vogel von der aej. Wir haben gelernt, Kante zu zeigen, beim Stammtisch, im Zweifel aber auch zuhause am Wohnzimmertisch. Argumente statt Fassungslosigkeit.

Workshop: Der Konflikt im Klassenzimmer

Seit den Ereignissen des 7. Oktober 2023 hat der Nahostkonflikt auf der ganzen Welt Eingang in unterschiedliche Lebens- und Arbeitsbereiche gefunden. Die Schule ist einer dieser Räume, in denen mitunter tiefe Gräben zwischen den Schüler:innen und Lehrer:innen entstehen können, die aufgrund von Unkenntnis der Sachlage und vor dem Hintergrund der eigenen Herkunft und religiösen Sozialisation zum Teil emotional aufgeladen werden. In diesem Zusammenhang kann es zur Revitalisierung antisemitischer und antimuslimischer Vorurteile und Stereotype kommen, die zu Ausgrenzungsund Diskriminierungserfahrungen im Klassenzimmer führen können.

Welche Handreichungen, Materialien und Weiterbildungen der Lehrkräfte braucht es, um diese mit Blick auf die zuvor erwähnten Themen im Rahmen ihrer Unterrichtsgestaltung zu unterstützen?

PD Dr. Nina Käsehage und Dr. Hamideh Mohagheghi vom Haus der Religionen haben uns die Ergebnisse einer Längsschnittstudie zum Thema vorgestellt und mit uns konkrete Fälle aus der eigenen Unterrichtspraxis besprochen. Junge Lehrkräfte aus einem Studienseminar und Studierende waren gemeinsam an diesem Abend dabei.

Bild: Sybille Felchow